Über mich

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SchwachSuper 

Guten Tag! Ich möchte mich zunächst kurz vorstellen, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben und warum ausgerechnet ich Ihnen hier Geschichten erzählen will.

Also, mein Name ist Ann. Nicht Anna oder Anne, sondern einfach nur Ann.  Und ich, Ann, frage mich gerade, wie ich Ihnen alles Weitere schonend beibringen soll. Es ist nicht schwierig zu erklären, aber vielleicht nicht leicht zu verstehen, denn ich bin tot. Nicht dass das eine Tragödie wäre. Nein, ist es nicht. Da wo ich jetzt bin, ist es sehr schön. Sie mögen es Anderswelt nennen, oder auch Himmel, Nirwana oder sonst irgendwie. Wir nennen es einfach Obrigkeit, weil wir höher stehen, als die Seelen auf der Erde. Allerdings ist hier oben alles anders als auf der Erde. Wir haben uns nämlich alle lieb. Sonst ähnelt der Tagesablauf dem auf der Erde. Man hat seinen Alltag und seine Aufgaben. Mit dieser Tatsache hatte ich anfangs enorme Probleme. Glaubte ich doch schon zu Erdenzeiten den Voraussagen des einen oder anderen Obergurus, auf Erden Pfarrer genannt, dass ich nach meinem irdischen Ableben nichts anderes mehr tun müsste, als die Schönheit des Paradieses zu genießen. Stattdessen ist auch hier jeder gehalten, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Allerdings ohne die freie Berufswahl, die ich vorher auf der Erde hatte. Hier im Jenseits ist man dahingehend noch ziemlich rückständig. Hier wird man, ohne vorher gefragt zu werden, von Führungskräften zugeteilt und für irgendeine x-beliebige Arbeit eingesetzt. Als ich hierher kam, konnte ich kaum fassen, wie mir geschieht.  Darüber, wohin die kommen, die sich beharrlich weigern und gar nicht arbeiten habe ich keinerlei Kenntnis. Vielleicht sind sie ja endlich in diesem sagenumwobenen Paradies. Oder es gibt sie nicht mehr. Ich bin nicht risikofreudig genug, um es ausprobieren zu wollen. Ich habe mich nach anfänglichem Zaudern gefügt und arbeite.

 

Nachdem ich viele Jahre lang auf Erden als Finanzbeamtin gerade die kleinen Durchschnitts-Mistbetrüger um ihre ohnehin elende Existenz gebracht hatte, wurde ich hier im Himmel gottlob entsprechend meiner Qualifikationen eingesetzt, nämlich als Sündenkarteibeamtin. Ich beobachte seit Jahrzehnten das Tun der Erdenbürger und bin damit Mitglied eines Teams, das dafür Sorge trägt, dass alle, und zwar wirklich alle Verfehlungen in die Sündenkartei eingetragen werden. Niemand soll schließlich seiner gerechten Strafe entgehen, ehe er Einlass in diese Welt bekommt.

 

Sie machen sich keine Vorstellungen, was ich in meinem Job zu sehen bekomme. Erst kürzlich musste ich mich mit einer Sache auseinandersetzen, die mich derart anwiderte, dass ich nach deren Beobachtung und Erfassung sofort meine Hände in Unschuld gebadet habe. Eine Frau hatte drei Männer gleichzeitig. Mit dem einen war sie seit einem knappen Jahr verheiratet,  mit dem zweiten hatte sie sich vor zwei Monaten verlobt und einen dritten Typen, den sie auf dem Klo einer Spelunke kennengelernt hatte, hatte sie nur für Sex, ohne dass sie ihn mit verpflichtenden mündlichen oder schriftlichen Vereinbarungen an sich kettete. Die zeitliche Koordination der Treffen war für sie ein Klacks. Wie ich den Einträgen meiner Job-Vorgängerin in der Sündenkartei entnehmen konnte, trieb die Dame seit Jahren dieses Spiel mit einer unbestimmten Anzahl von Männern. Insofern hatte sie genug Übung, um die Dinge so zu lenken, dass keiner der drei Gehörnten voneinander erfuhr.  Doch der Rest war so ein Durcheinander, dass die, durch diverse Herren in ihrem Unterleib abgelegten Samenpakete,  untereinander sogar Freundschaften schlossen.

 

Unter vaginaler Verklemmung litt sie jedenfalls nicht. Der Sex mit unterschiedlichen Begattern ging teilweise ineinander über. Der eine raus, der andere rein. Raus-rein, raus-rein... Wie bei den Karnickeln. Mit dem Unterschied, dass es bei Karnickeln eher Normalität ist. Bei manchen Männern auch. Aber Frauen die so was tun, sollten sich was schämen.

Nicht erst seitdem ich hier bin, fällt es mir immer wieder auf: Menschen sind einfach unglaublich dumm, insbesondere die weiblichen. Wieso sonst gibt es immer wieder Frauen, die sich einbilden, sie könnten wilde Sexorgien feiern, ständig Herrenbesuch haben, ungeschützten Sex, mit jedem Kerl einen gemeinsamen, ekstatischen Orgasmus, um dann am Ende ebenso wie Männer in einer vergleichbaren Situation als tolle Hechte angesehen werden? Wären Frauen nicht dumm, dann wüsste sie, dass sie einen Penis benötigen, um tolle Hechte zu sein. Ohne diesen werden sie immer nur das sein, was sie seit Jahrhunderten sind, wenn sie ihr Sexualleben so zügellos und spaßig einrichten: Schlampen.

 

Derlei Sex- und Schmutzgeschichten hätten mir in meiner Zeit auf Erden nie passieren können. Ich bin als Jungfrau gestorben. Schon sehr früh in meiner Jugend hatte ich mir vorgenommen, als Jungfrau sterben zu wollen. Grund dafür war, dass ich, damals zarte zwölf Jahre alt, den netten Herrn von nebenan, völlig versehentlich natürlich, durch das Fenster beobachtete und ihn dabei mit seiner Hausangestellten in der Küche das Mittagessen vorbereiten sah, während seine Ehefrau sich beim Friseur befand. Nichts für schwache Nerven kann ich Ihnen sagen. Das Zerkleinern der Zutaten durch darauf Herumreiten mit dem entblößten  Hinterteil der Hausangestellten, das Würzen mit speziellen Gewürzdöschen und das am Ende folgende Einsammeln der Lebensmittel vom Boden in den großen Suppentopf war für mich nicht sehr erbauend. Seit jenem verhängnisvollen Vormittag aß ich nur noch, wenn ich selbst gekocht, oder aber der jeweiligen Köchin beim Bereiten der Speisen zugesehen habe. Von da an war mir auch klar, dass ich derlei unappetitliche Handlungen niemals an mir vorgenommen haben will und bereitete mich fortan seelisch auf die wildesten und schlimmsten inneren Kämpfe vor, um mein Ziel, jungfräulich in den Tod zu gehen, auch einhalten zu können. Im Laufe meines Lebens stellte ich allerdings fest, nicht ohne eine gewisse Ernüchterung, dass all die Vorbereitungen nicht nötig gewesen wären. Es war überhaupt nicht schwer, Jungfrau bis zum letzten Tag zu bleiben, denn es hat mich ohnehin keiner gewollt. Ich war als launische Drahtbürste verschrien. Damals konnte ich es nicht verstehen, heute ahne ich, ohne es jemals definitiv erfahren zu haben, dass es eine Anweisung von hier oben gab, damit ich mein Ende wirklich jungfräulich erreichen konnte. Meine Schuld war es jedenfalls nicht, dass niemand mich mochte. Mein Verhalten war stets tadellos und als korrekte Bürgerin zeigte ich sogar alle an, die sich nicht ebenso tadellos verhielten. Mehr Rechtschaffenheit ist nicht möglich. Aber darüber wollen wir heute ja nicht reden. Vielmehr möchte ich Ihnen heute einige Geschichten erzählen, die ich aufgrund meines Himmels-Jobs beobachten konnte.

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Satirische, dabei aber völlig erfundene Geschichte von Ann G.W.. Sollte es tatsächlich Menschen geben, die das Gefühl haben, sich in den beschriebenen Personen zu erkennen, so gibt es zwei Varianten. Je nachdem, in welcher Person sich jemand zu finden glaubt, hat der sich erkennende Mensch entweder meine Hochachtung, oder aber mein tiefstes Mitgefühl. Ich versichere hiermit ehrlich und ernsthaft, dass alle in diesen Geschichten vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse, Aktivitäten, Firmen und Handlungen völlig frei erfunden sind. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig und ergeben sich möglicherweise daraus, dass ich in den Texten eben Ereignisse beschreibe, wie sie auch im wahren Leben vorkommen könnten.