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Ein Anfang

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Ein Anfang

Seit der Trennung vor gut einem Jahr hatte es nie Schwierigkeiten gegeben. Selbst die Scheidung war nur eine Formsache. Das ehemalige Ehepaar Dodi und Carola Hohn klärte alle Dinge im Vorfeld ohne Streit. Auch um das Haus gab es kein Gerangel, war es doch jetzt noch, zwölf Jahre nach dem Kauf, komplett verschuldet. Das kam nicht überraschend. Wie sollten die Zahlen anders aussehen, bei nur  0,5% Tilgung in den letzten Jahren? Immer wieder im Leben muss man Prioritäten setzen. Für Dodi Hohn lag das Augenmerk noch nie darauf, das gemeinsame Zuhause abzubezahlen.  

So ein verschuldetes Haus gehört im Wesentlichen der Bank. Wieso also darüber streiten, wem es in Zukunft gehören sollte? Es ging diskussionslos an Carola über. Inklusive Schulden natürlich. So hatte sie zum einen mit den Kindern einen Bleibe, zum anderen war Dodi alle Schulden los.

Das Bekleckern mit Ruhm gehört seit jeher zum Leben eines jeden Mannes. Am Lebensende sollten schon einige Narben durch Lebenskämpfe entstanden sein. Für Dodi war dies ein großes Problem. Immer wieder in seinem Leben und gerade auch an dieser Stelle. Ein  Mann bekleckert sich nunmal nicht mit Ruhm, wenn er sich gemeinsam mit der Ehefrau ein Haus kauft, dieses während der gemeinsamen Jahre nicht abbezahlt, um dann bei der Trennung der Frau die komplette Last mit Freuden und Erleichterung zu überlassen. Nicht dass Dodi seine Exfrau zur Übernahme gezwungen hatte. Sie wollte das Haus, war es doch ihr Zuhause und das ihrer Kinder.
Für Dodis Ehre blieb ein bitterer Nachgeschmack, denn das alles zeigte doch seine Unfähigkeit mit Geld umzugehen recht deutlich. Dodi hatte das Haus nicht nur nicht abbezahlt. Nein, er hatte es in seiner unmännlichen Unbedarftheit zusätzlich massiv mit weiteren Schulden belastet. In der Vergangenheit brauchte Dodi viel Geld, um sich seinen Alkoholkonsum, seine Spielsucht und seine Gier auf Statussymbole leisten zu können.  
Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt etwas über die finanzielle Situation der Hohns. So nahmen alle Personen in deren Umfeld berechtigterweise an, dass ein Großteil der Schulden für das Haus bereits beglichen waren.  Von den zusätzlichen Schulden wusste ohnehin niemand. Nicht einmal der beste Freund sollte davon erfahren. Dachte der beste Freund doch, Dodi sei ein Mann. Und so war die Sache einfach. Wenn niemand etwas weiß, kann man eine Wahrheit erfinden.
Sowohl seiner gesamten Familie inklusive Geschwistern, Cousinen und anderen Dazugehörigen, als auch Arbeitskollegen und natürlich seinem besten Freund Bruno Heikel erzählte Dodi deshalb fortan mit stolzgeschwellter Brust, er habe Carola das halbe Haus geschenkt.

„Ich habe Carola das halbe Haus geschenkt. Ich habe ihr meine ganze Haushälfte geschenkt, ohne von ihr auch nur eine klitzekleine Kleinigkeit als Gegenleistung zu fordern! Ich bin so toll. Ich vertraue Carola und ich will so gerne, dass sie und die Kinder ein gutes Leben haben. Ich habe es für so eine Wahnsinnsidee gehalten, Carola meine Hälfte des gemeinsamen Einfamilienhauses zu schenken, weil ich so ein guter und großzügiger Mensch bin“.

Hocherhobenen Hauptes und ohne dabei rot zu werden, log Dodi so bei allen Leuten herum und fühlte sich zunehmend wie ein unfassbar guter, starker Mann dabei. Er tönte und erzählte das Märchen von der verschenkten Haushälfte so oft, dass er bald selbst den Schwachsinn glaubte, den er verbreitete. Vor seinen Mitmenschen konnte Dodi wirklich punkten angesichts dieser vermeintlichen Großzügigkeit. Jeder der davon hörte, war beeindruckt. Die Neigung zum Nichtglauben der Geschichte von der geschenkten Haushälfte tendierte bei den Zuhörern gegen Null. Erstaunlich angesichts der Tatsache, dass ein jeder, dem Dodi die Geschichte erzählte, ihn gut kannte und deshalb eine Ahnung hätte haben können, wie hoch der Wahrheitsgeschalt der Geschichte sein konnte. Niemand machte sich groß Gedanken darüber, oder fragte gar nach. Dodi konnte sich entspannt zurücklehnen, denn alles was geklärt werden musste, war mit diesem einen Punkt geklärt.

Weitere Werte, welche man nach der Trennung aufteilen hätte müssen, waren nicht da. Das Wertvollste, die Kinder, blieben bei Carola im Haus, das der Bank gehörte. Die Kinder interessierten sich natürlich nicht für all diese Geschichten. Für die beiden Kinder Ludwig und Laura war Dodi Hohn auch nach der Trennung ein Vater wie man ihn sich nur wünschen kann, was für sie natürlich das einzig Wichtige war. Gerne verbrachte Dodi Stunden voller Spiel und Spaß mit den beiden. Wo es ging half er ihnen und tat alles dafür, dass sie sich wohl und glücklich fühlten. Er reparierte auch ihre Fahrräder, schraubte das neue Regal an die Wand im Kinderzimmer und tauchte immer wieder mal völlig unvermittelt bei seiner Exfrau und den Kindern auf, um die Kinder zu Unternehmungen abzuholen, oder um mit ihnen gemeinsam zu reden und zu lachen.

In dieser Zeit entwickelte er ein Lieblingsspiel, welches Carola schwer befremdete. Es war das Exfrauen-Kitzeln. Dodi kitzelte Carola mindestens genauso häufig, wie seine Kinder. Carola lachte dabei, um die Kinder nicht zu erschrecken. In Wahrheit aber war sie angewidert und dachte an die Gründe zurück, die für sie zum Trennungswunsch führten. Wie schon damals kam Dodi auch an dieser Stelle nicht auf die Idee, dass man Menschen nicht ungefragt begrabscht.  Er kitzelte weiter, oft und gerne. Dabei versuchte er an die Brüste zu geraten oder zwischen die Oberschenkel. So als sei es ein Versehen, was bei den wilden Kitzelspielen durchaus passieren könnte. Fast immer erwähnte er nebenher, wie schön doch die gemeinsame Zeit als Familie gewesen sei.

Die Hoffnung hinter diesen Worten war kaum zu überhören. Er sehnte sich und hoffte, dass Carola das unbeschwerte und so lustige Kitzeln sexy findet und wieder zu ihm zurückkehren würde.
Dodi hatte durch die Trennung und die schwere Zeit vorher nichts begriffen. Obwohl er sich erinnerte, wie sehr sich Carola in den letzten Jahren ihrer gemeinsamen Ehe aus seinen Berührungen entwunden hatte, oft beinahe hysterisch, dachte er, dass sie durch das Kitzelspiel wieder eine Beziehung mit ihm eingehen würde. Er hatte die Hoffnung, Carola würde sich durch seine Berührungen wieder zu ihm hingezogen fühlen. Er hatte ein Jahr ohne sie gelebt und fand, dass es mit Carola schöner war. Er vermisste sie. Alte Liebesgefühle keimten immer mehr auf. Die Hoffnung schwoll in Dodi, denn so ernst konnte es Carola seiner Meinung nach mit der Trennung nicht sein. Gab es doch aus seiner Sicht keinen Grund für eine Trennung. Nie hatte Carola ein Wort darüber verloren, warum sie Dodi nicht mehr als Ehemann wollte und weshalb sie für die Ehe keine Chance sah. Insofern konnte der verschmähte Ex-Ehemann getrost davon ausgehen, dass das eine Entscheidung war, die Carola aus einer Frauenlaune heraus getroffen hatte. Das ließ die Vermutung offen, Carola würde die Ehe wie ein Spielzeug betrachten, das man benutzen oder auch, wenn es einen langeweilt, einfach weglegen kann.  Um das Spielzeug dauerhaft wegzulegen, empfand Dodi die Zeit mit Carola als viel zu wertvoll.

Carola fand auch, dass sie eine schöne gemeinsame Zeit als Familie hatten. Aber sie fand auch, dass das lange her und nicht reproduzierbar sei. Mit einem tollen Mann der gute Manieren, ein gutes Aussehen, Klugheit und Witz hatte vielleicht. Keinesfalls aber mit Dodi. Nein, Carola wollte ihn nicht mehr geschenkt. Sie war froh, dass sie die Scheidung hinter sich hatte und das alles nicht mehr ertragen musste, was Dodi ihr zugemutet hatte. Nicht für alles Geld der Welt wäre sie mit ihm wieder eine Beziehung eingegangen. Deshalb gab es für ihn und die Kinder nur noch die spontanen Treffen und die Umgangstage. Regelmäßig an jedem zweiten Wochenende, an jedem zweiten gesetzlichen Feiertag und zwei Wochen in den Ferien holte der Vater seine Kinder ab. Die Zeit bei ihm war für die Kinder schön und harmonisch. Sie verbrachten sie mit Freude und Herzblut zusammen, besuchten gemeinsam Verwandte, Freunde oder die Großeltern Hohn. Sie hatten viel Spaß und viele liebevolle Vater-Kind-Momente. Alles war so einfach und so geregelt, es gab nichts mehr zu tun, um die zwischenmenschliche Situation zu verbessern.

Alles war so gut und so schön. Harmonie pur. Caro, wie sie oft gerufen wurde, wollte nicht, dass Dodi mit seinem Kitzelspiel alles zerstörte, sie wollte nicht von ihm berührt werden.
Wir haben hier im Jenseits das Schicksal, das in solchen irdischen Problemfällen manche Dinge zwar nicht regeln, aber doch einfädeln kann. Das Schicksal hatte ein Einsehen und schickte eine neue Frau in Dodis Leben.

Es war an einem lauen Sommerabend, an dem Dodi zu seinem besten Freund Hugo Heikel zum Fernsehabend ging. Ein klassischer Fernsehabend sollte es werden, mit Bier und Chips. Hugos Frau, eine knackige. langbeinige Blondine mit schönen Augen und ebenso schönem Lachen, war auch da. Und ebenso deren beste Freundin Marie, die Dodi an diesem Abend kennenlernen durfte. Optisch war Marie das genaue Gegenteil ihrer Freundin Mathilda. Marie war klein und rund, trug dick aufgetragenes Make Up und viel zu enge Klamotten, die sich geschmeidig aber unregelmäßig wie Rinderdarm, um Maries Körper legten. Letzteres war Dodi nicht nur egal, es gefiel ihm sogar ausgesprochen gut.

Eine unüberschaubar hohe Anzahl an Schmetterlingen fand sich kurz nach der ersten Begegnung mit Marie in Dodis Bauchraum ein. Hormone überschwemmten seinen Körper. Es zischte und funkelte in ihm, als er Maries dralle Kurven sah. Marie hatte Arschbacken, zwischen denen Dodi gedanklich versenken konnte, was immer er wollte, ohne dass jemals eine Überfüllung stattgefunden hätte. Ihre Brüste brachten Dodis Fantasie zum Überkochen.

Wann immer es die Möglichkeit gab, berührte Dodi Marie an diesem Abend und tat dabei so, als sei es ein Versehen. So wie Schuljungen Mädels berühren, so verstohlen. Marie hingegen ging die Sache mit weiblichem Charme an. Sie sagte viel, was Dodis Herz berühren sollte und tat so, als gäbe sie sich Dodi hin. In Wahrheit aber nahm sie ihn sich. Und gab ihm ihre Telefonnummer. Bald sahen sie sich wieder. Und wieder. Und wieder.

Um ihn in die Falle tappen zu lassen, umgarnte Marie ihn mit aller Erfahrung, die eine Frau ihres Alters so hat. Wann immer sie sich trafen, schrieb sie ihm kleine Zettel, auf die sie süßlockende Worte schrieb, Bitten um Küsse an geheimste Körperstellen, und fantasieanregende Wortspiele. Sie verteilte die Zettel in seiner Wohnung, damit er immer mal wieder auf einen stoßen möge und sie somit immer im Geiste behält. All dies brachte Dodis Herz zum Gurren und andere Körperstellen an ihm zum Zucken. Er war wie von Sinnen.

Maries großer Erfolg bei Dodi war nicht sehr erstaunlich, denn sie hatte viel Erfahrung mit süßlockenden Sachen. Von jeher war Marie eine Männerflüsterin, sie konnte und wollte nicht bei einem bleiben. Sie brauchte für ihr Ego immer mal Frischfleisch und das holte sie sich viele Jahre lang, wann immer sie wollte. Doch Marie war auch eine Frau, die mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Tatsachen stand. Von daher wusste sie, dass sie nun an einem Punkt in ihrem Leben angekommen war, an dem es besser wäre, den sicheren Hafen anzusteuern. Ihr Hintern war inzwischen deutlich breiter als die Sitzfläche eines Stuhles, und er warf Dellen, wie durch unzählige Kinderhände gegangene Knetmasse. Immer weniger Männer fanden sie sexy, immer mehr fanden sie peinlich, mit ihrem dicken Make Up und den viel zu engen Klamotten.

Marie war klug. Und deshalb wusste sie, dass ihre Chancen, weiterhin als Männerflüsterin aktiv sein zu können, von Tag zu Tag schneller den Bach runtergingen. Für Marie galt es deshalb, keine Experimente mehr zu machen. Es war nun Zeit für das Eingemachte. Es musste ein Mann für die letzten, geruhsamen Lebensjahre her. Einer der nicht so auf Äußerlichkeiten achtete und dem das Hirn in tiefere Regionen rutschte, wenn man ihm nur ausreichend Entspannung für den Unterleib bot. Nicht jeder konnte diesen Job machen. Für Marie musste es einer sein, der unter den Teppich passte. Sie war keine der Frauen, die sich von einem Mann etwas sagen ließ, oder gar mit ihm über etwas diskutieren wollte, was sie auch selbst entscheiden konnte. Einer der für viele, schöne Ehejahre nach ihrer Pfeife tanzt, musste es sein.

Dodi merkte nicht, dass Marie ihn nach der Eignung für ihren Zweck abklopfte und er merkte auch nicht, dass er viele Punkte von ihr erhielt. Dodi schien also sehr geeignet für Marie. So  begann sie ganz gewaltig, Dodi ordentlich einzuschleimen. Er rutschte in die Falle, zappelte dort herum, wie ein Fisch im Netz. Jetzt kam es für Marie darauf an, alles gut und richtig zu machen. Sie gab alles und noch ein wenig mehr. Und dann kam er endlich, der Heiratsantrag. Der schwierigste Part einer Eheschließung war vollbracht, Marie hatte allen Grund aufzuatmen. Der Rest war Routine. Dodi bekam von Marie die gleichen Versprechen, die sie schon den acht Ehemännern vor ihm gegeben hatte.  Voller Rührung schmalzte sie für ihn die so oft gesagten Worte:

"Dodi, ich nehme dich an als meinen Mann. Ich werde dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe. In guten und in schlechten Tagen. In Gesundheit und Krankheit..." Ein paar Tränen flossen Marie die Wangen herunter. Denn sie dachte mit Grauen daran, wie es in der Realität wäre, Dodi tatsächlich auch in Krankheit und Armut behalten zu müssen. Schnell schluckte sie ihre Angst hinunter.

So nahm Marie sich also Dodi zum Manne. Ein schönes Paar: Dodi und Marie Hohn.

 

 

Das Schicksal hat keine Moral (unbekannt)

Impressum und Kontakt

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Ann G.W.

c/o Fam. Mittermeyer

Törringweg 1

83355 Grabenstätt

08661 929370

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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Satirische, dabei aber völlig erfundene Geschichte von Ann Gebauer-Wächter.
Sollte es tatsächlich Menschen geben, die das Gefühl haben, sich in den beschriebenen Personen zu erkennen, so gibt es zwei Varianten. Je nachdem, in welcher Person sich jemand zu finden glaubt, hat der sich erkennende Mensch entweder meine Hochachtung, oder aber mein tiefstes Mitgefühl. Ich versichere hiermit ehrlich und ernsthaft, dass alle in diesen Geschichten vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse, Aktivitäten, Firmen und Handlungen völlig frei erfunden sind. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig und ergeben sich möglicherweise daraus, dass ich in den Texten eben Ereignisse beschreibe, wie sie auch im wahren Leben vorkommen könnten.

Home

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Ein neues Kind...

 

braucht einen Namen.
Lebensgeschichten gefiel mir nicht.
Liebesgeschichten stimmt ja nicht.
Und auch "Geschichten die das Leben schrieb" entspricht so nicht den Tatsachen, obgleich alle Geschichten am Leben orientiert sind.

 

Jetzt heißt das Baby "Montagsgeschichten". Nicht etwa, weil ich immer am Montag Geschichten für euch veröffentlichen will. Sondern weil ich montags immer frei habe und deshalb montags besonders viel schreibe.

 

XXX

 

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Über mich

Bewertung:  / 12

Guten Tag! Ich möchte mich zunächst kurz vorstellen, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben und warum ausgerechnet ich Ihnen hier Geschichten erzählen will.

Also, mein Name ist Ann. Nicht Anna oder Anne, sondern einfach nur Ann.  Und ich, Ann, frage mich gerade, wie ich Ihnen alles Weitere schonend beibringen soll. Es ist nicht schwierig zu erklären, aber vielleicht nicht leicht zu verstehen, denn ich bin tot. Nicht dass das eine Tragödie wäre. Nein, ist es nicht. Da wo ich jetzt bin, ist es sehr schön. Sie mögen es Anderswelt nennen, oder auch Himmel, Nirwana oder sonst irgendwie. Wir nennen es einfach Obrigkeit, weil wir höher stehen, als die Seelen auf der Erde. Allerdings ist hier oben alles anders als auf der Erde. Wir haben uns nämlich alle lieb. Sonst ähnelt der Tagesablauf dem auf der Erde. Man hat seinen Alltag und seine Aufgaben. Mit dieser Tatsache hatte ich anfangs enorme Probleme. Glaubte ich doch schon zu Erdenzeiten den Voraussagen des einen oder anderen Obergurus, auf Erden Pfarrer genannt, dass ich nach meinem irdischen Ableben nichts anderes mehr tun müsste, als die Schönheit des Paradieses zu genießen. Stattdessen ist auch hier jeder gehalten, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Allerdings ohne die freie Berufswahl, die ich vorher auf der Erde hatte. Hier im Jenseits ist man dahingehend noch ziemlich rückständig. Hier wird man, ohne vorher gefragt zu werden, von Führungskräften zugeteilt und für irgendeine x-beliebige Arbeit eingesetzt. Als ich hierher kam, konnte ich kaum fassen, wie mir geschieht.  Darüber, wohin die kommen, die sich beharrlich weigern und gar nicht arbeiten habe ich keinerlei Kenntnis. Vielleicht sind sie ja endlich in diesem sagenumwobenen Paradies. Oder es gibt sie nicht mehr. Ich bin nicht risikofreudig genug, um es ausprobieren zu wollen. Ich habe mich nach anfänglichem Zaudern gefügt und arbeite.

 

Nachdem ich viele Jahre lang auf Erden als Finanzbeamtin gerade die kleinen Durchschnitts-Mistbetrüger um ihre ohnehin elende Existenz gebracht hatte, wurde ich hier im Himmel gottlob entsprechend meiner Qualifikationen eingesetzt, nämlich als Sündenkarteibeamtin. Ich beobachte seit Jahrzehnten das Tun der Erdenbürger und bin damit Mitglied eines Teams, das dafür Sorge trägt, dass alle, und zwar wirklich alle Verfehlungen in die Sündenkartei eingetragen werden. Niemand soll schließlich seiner gerechten Strafe entgehen, ehe er Einlass in diese Welt bekommt.

 

Sie machen sich keine Vorstellungen, was ich in meinem Job zu sehen bekomme. Erst kürzlich musste ich mich mit einer Sache auseinandersetzen, die mich derart anwiderte, dass ich nach deren Beobachtung und Erfassung sofort meine Hände in Unschuld gebadet habe. Eine Frau hatte drei Männer gleichzeitig. Mit dem einen war sie seit einem knappen Jahr verheiratet,  mit dem zweiten hatte sie sich vor zwei Monaten verlobt und einen dritten Typen, den sie auf dem Klo einer Spelunke kennengelernt hatte, hatte sie nur für Sex, ohne dass sie ihn mit verpflichtenden mündlichen oder schriftlichen Vereinbarungen an sich kettete. Die zeitliche Koordination der Treffen war für sie ein Klacks. Wie ich den Einträgen meiner Job-Vorgängerin in der Sündenkartei entnehmen konnte, trieb die Dame seit Jahren dieses Spiel mit einer unbestimmten Anzahl von Männern. Insofern hatte sie genug Übung, um die Dinge so zu lenken, dass keiner der drei Gehörnten voneinander erfuhr.  Doch der Rest war so ein Durcheinander, dass die, durch diverse Herren in ihrem Unterleib abgelegten Samenpakete,  untereinander sogar Freundschaften schlossen.

 

Unter vaginaler Verklemmung litt sie jedenfalls nicht. Der Sex mit unterschiedlichen Begattern ging teilweise ineinander über. Der eine raus, der andere rein. Raus-rein, raus-rein... Wie bei den Karnickeln. Mit dem Unterschied, dass es bei Karnickeln eher Normalität ist. Bei manchen Männern auch. Aber Frauen die so was tun, sollten sich was schämen.

Nicht erst seitdem ich hier bin, fällt es mir immer wieder auf: Menschen sind einfach unglaublich dumm, insbesondere die weiblichen. Wieso sonst gibt es immer wieder Frauen, die sich einbilden, sie könnten wilde Sexorgien feiern, ständig Herrenbesuch haben, ungeschützten Sex, mit jedem Kerl einen gemeinsamen, ekstatischen Orgasmus, um dann am Ende ebenso wie Männer in einer vergleichbaren Situation als tolle Hechte angesehen werden? Wären Frauen nicht dumm, dann wüsste sie, dass sie einen Penis benötigen, um tolle Hechte zu sein. Ohne diesen werden sie immer nur das sein, was sie seit Jahrhunderten sind, wenn sie ihr Sexualleben so zügellos und spaßig einrichten: Schlampen.

 

Derlei Sex- und Schmutzgeschichten hätten mir in meiner Zeit auf Erden nie passieren können. Ich bin als Jungfrau gestorben. Schon sehr früh in meiner Jugend hatte ich mir vorgenommen, als Jungfrau sterben zu wollen. Grund dafür war, dass ich, damals zarte zwölf Jahre alt, den netten Herrn von nebenan, völlig versehentlich natürlich, durch das Fenster beobachtete und ihn dabei mit seiner Hausangestellten in der Küche das Mittagessen vorbereiten sah, während seine Ehefrau sich beim Friseur befand. Nichts für schwache Nerven kann ich Ihnen sagen. Das Zerkleinern der Zutaten durch darauf Herumreiten mit dem entblößten  Hinterteil der Hausangestellten, das Würzen mit speziellen Gewürzdöschen und das am Ende folgende Einsammeln der Lebensmittel vom Boden in den großen Suppentopf war für mich nicht sehr erbauend. Seit jenem verhängnisvollen Vormittag aß ich nur noch, wenn ich selbst gekocht, oder aber der jeweiligen Köchin beim Bereiten der Speisen zugesehen habe. Von da an war mir auch klar, dass ich derlei unappetitliche Handlungen niemals an mir vorgenommen haben will und bereitete mich fortan seelisch auf die wildesten und schlimmsten inneren Kämpfe vor, um mein Ziel, jungfräulich in den Tod zu gehen, auch einhalten zu können. Im Laufe meines Lebens stellte ich allerdings fest, nicht ohne eine gewisse Ernüchterung, dass all die Vorbereitungen nicht nötig gewesen wären. Es war überhaupt nicht schwer, Jungfrau bis zum letzten Tag zu bleiben, denn es hat mich ohnehin keiner gewollt. Ich war als launische Drahtbürste verschrien. Damals konnte ich es nicht verstehen, heute ahne ich, ohne es jemals definitiv erfahren zu haben, dass es eine Anweisung von hier oben gab, damit ich mein Ende wirklich jungfräulich erreichen konnte. Meine Schuld war es jedenfalls nicht, dass niemand mich mochte. Mein Verhalten war stets tadellos und als korrekte Bürgerin zeigte ich sogar alle an, die sich nicht ebenso tadellos verhielten. Mehr Rechtschaffenheit ist nicht möglich. Aber darüber wollen wir heute ja nicht reden. Vielmehr möchte ich Ihnen heute einige Geschichten erzählen, die ich aufgrund meines Himmels-Jobs beobachten konnte.

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Satirische, dabei aber völlig erfundene Geschichte von Ann G.W.. Sollte es tatsächlich Menschen geben, die das Gefühl haben, sich in den beschriebenen Personen zu erkennen, so gibt es zwei Varianten. Je nachdem, in welcher Person sich jemand zu finden glaubt, hat der sich erkennende Mensch entweder meine Hochachtung, oder aber mein tiefstes Mitgefühl. Ich versichere hiermit ehrlich und ernsthaft, dass alle in diesen Geschichten vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse, Aktivitäten, Firmen und Handlungen völlig frei erfunden sind. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig und ergeben sich möglicherweise daraus, dass ich in den Texten eben Ereignisse beschreibe, wie sie auch im wahren Leben vorkommen könnten.